Alle systemischen Therapien haben den Sinn, die Auslöser einer Akne zu behandeln. Sie wirken also gegen die erhöhte Talgproduktion, die vermehrte Verhornung und gegen bakterielle/entzündliche Prozesse. Wir stellen Ihnen hier die drei meist verwendeten Akne Medikamente vor:
Hormone
Um den Hauptauslöser – das männliche Hormon Testosteron und seine Zwischenprodukte – zu regulieren, gibt es diverse „Hormonverschreibungen“. Sie sind alle rezeptpflichtig. Die wohl bekannteste Hormontherapie der Frau ist die Anti Baby Pille. Neben der gewünschten Empfängnisverhütung gibt es Pillen mit speziellen zusätzlichen Inhaltsstoffen, die sehr gut gegen Akne wirken. Um die „richtige“ Pille auszuwählen, arbeiten wir mit Ihrem Frauenarzt zusammen. Aber auch eine selektive Unterdrückung des Testosteron ist medikamentös möglich. Diese Medikamente kommen vor allem bei Frauen zum Einsatz, die keine übliche Verhütungspille brauchen oder einnehmen möchten (zb. Andro-Diane®️ Tabletten). Leider kommt es nach Absetzen nach ca. 3-6 Monaten fast immer wieder zu einer moderaten Verschlechterung des Hautbildes. Für Männer gibt es zwar ebenfalls Testosteron unterdrückende Tabletten (Wirkstoff Spironolacton), wir lehnen diese jedoch auf Grund der Nebenwirkungen ab.
Antibiotika
Fast jedes Antibiotikum wirkt auch bessernd auf Akne. Hier ist es jedoch besser, sogenannte „Schmalband Antibiotika“ zu verschreiben. Sie wirken vor allem auf spezielle Aknebakterien ohne breite Wirkung auf den restlichen Körper zu haben. Der Vorteil: kaum Nebenwirkungen (z.b. Tetracycline in Minostad Tabletten). Leider haben alle diese Antibiotika eine großen Nachteil: Sie wirken leider noch kurzfristiger als Hormone – nach Absetzen ist die Akne oft schnell wieder zurück.
13 cis Retinsäure (z.B. Ciscutan Tabletten ®)
Isotretinoin, auch bekannt als 13-cis-Retinsäure, gehört zu den Retinoiden (also eine Art „synthetisches Vitamin A“) . Dieser Wirkstoff führt fast immer zu einer deutlichen Verbesserung/Abheilung der Akne. Aber Vorsicht: Isotretinoin schädigt das ungeborene Kind in der Schwangerschaft! Hier ist daher bei Frauen Empfängnisschutz unbedingt notwendig! Außerdem belastet es die Leber, sodass man regelmäßig die Leberwerte kontrollieren muss. Auch muss man beachten, dass diese Medikamente in hoher Dosis die Haut und Schleimhäute austrocknen. Auch starke Sonne sollte während der Einnahme vermieden werde. Hier ist ausführliche Beratung durch Ihren Hautarzt Pflicht!
Auf Grund dieser Nebenwirkungen wurde dieses hochwirksame Medikament früher nur bei schwerer Akne in hohen Dosen verordnet. In den letzten Jahren haben wir Hautärzte begonnen, dieses sehr effiziente Medikament in sehr geringer Dosis auch bei leichteren Formen der Akne zu verschreiben. Hier hat man kaum Nebenwirkungen bei noch immer hoher Wirksamkeit. Denn ein großer Vorteil des Isotretinoins ist nicht nur die Erfolgsrate bei Akne, sondern auch seine positive Wirksamkeit auf die Haut für längere Zeit – auch nach dem Absetzen des Medikaments.
Finasterid und hormonelle Regulation bei Akne
Finasterid gehört zu den sogenannten Rezeptor-Blockern: Es hemmt die Umwandlung von Testosteron in das wirksamere Dihydrotestosteron (DHT). Dieses Hormon spielt bei vielen Patient*innen – vor allem in der Pubertät oder bei genetischer Veranlagung – eine entscheidende Rolle bei der Talgproduktion und damit bei Akne. Ursprünglich wurde Finasterid zur Behandlung der gutartigen Prostatahyperplasie beim Mann entwickelt, zeigt aber auch bei Frauen mit grenzwertig erhöhten oder erhöhten Androgenspiegeln eine regulierende Wirkung. Durch den gezielten Wirkmechanismus treten bei niedriger Dosierung zur Akne-Therapie Nebenwirkungen nur selten auf.
Cyproteronacetat (CPA): Ein wirksamer Androgensenker
Cyproteronacetat (CPA) ist ein weiterer bewährter Wirkstoff zur Reduktion der Androgenwirkung. Es blockiert die Bindung männlicher Hormone direkt am Rezeptor und drosselt die Talgdrüsenaktivität deutlich. CPA ist in Arzneimitteln wie Androcur® oder in kombinierten Präparaten wie Androdiane® enthalten und wird häufig bei Patientinnen eingesetzt, deren Akne hormonell getriggert ist – etwa bei erhöhten Androgenspiegeln, polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS) oder starker Seborrhoe. Unter fachärztlicher Kontrolle gilt CPA als effektive Option mit guter Verträglichkeit.
Infobox: Hormonelle Therapie bei Akne – das Wichtigste im Überblick
- Ziel: Reduktion der Androgenwirkung, um Talgdrüsen zu beruhigen und entzündliche Akne zu verbessern.
- Finasterid: Hemmt DHT-Bildung, sehr gezielte Wirkung, niedrige Dosierungen gut verträglich.
- Cyproteronacetat (CPA): Blockiert Androgenrezeptoren; enthalten in Androcur® und Androdiane®.
- Für wen geeignet? Vor allem für Frauen mit hormonellen Schwankungen, Androgenüberschuss oder therapieresistenter Akne.
- Wichtig: Einnahme nur nach dermatologischer und ggf. gynäkologischer Abklärung.
Infobox: Hormonelle Therapie bei Akne – das Wichtigste im Überblick
- Ziel: Reduktion der Androgenwirkung zur Beruhigung der Talgdrüsen –
Antibabypille/hormonelle Verhütung z. B. Östrogen-Gestagen-Kombinationen allein oder in Kombination mit CPA wirkt besonders effizient gegen hormonelle Akne. - Finasterid: Hemmt die DHT-Bildung, sehr gezielte Wirkung, niedrige Dosierungen gut verträglich.
- Cyproteronacetat (CPA): Blockiert Androgenrezeptoren; enthalten in Androcur® und Androdiane®.
- Für wen geeignet? Besonders für Frauen mit hormonellen Schwankungen, Androgenüberschuss, PCOS oder therapieresistenter Akne.
- Wichtig: Behandlung ausschließlich nach dermatologischer und ggf. gynäkologischer Abklärung.
Warum wir Spironolacton und Metformin nicht einsetzen
Spironolacton wirkt zwar ebenfalls antiandrogen, kann jedoch häufig Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Zyklusstörungen oder erhöhte Kaliumwerte verursachen und ist in Österreich zur Behandlung von Akne nicht zugelassen.
Metformin wird primär bei Diabetes eingesetzt; obwohl es bei polycystischem Ovar die Hormonbalance verbessern kann, zeigt es keine ausreichende direkte Wirksamkeit auf die Talgdrüsen – mögliche Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden überwiegen daher den Nutzen bei Akne.